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Hygienehypothese und Bauernhofeffekt : Atopie-Entwicklung im Alter von 6 Jahren in Abhängigkeit von Lebensstilfaktoren : Ergebnisse aus der PASTURE-Geburtskohorte

Birreck, Louisa


Originalveröffentlichung: (2017) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.900 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-133201
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/13320/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für klinische Chemie und Labormedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6619-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.09.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 03.11.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund:
Allergien und Atopie sind ein gesundheitsepidemiologisches Problem, da die Prävalenz dieser Erkrankungen innerhalb der letzten hundert Jahre sprunghaft angestiegen ist (Allergische Epidemie).
Ziel dieser Arbeit sollte es sein, anhand einer epidemiologischen Längsschnittstudie zu untersuchen, welche Umweltfaktoren einen präventiven Effekt auf die Entwicklung einer Atopie haben und was mögliche Risiko- und Schutzfaktoren für eine Atopieentwicklung sind. Hierbei sollte insbesondere die Hygienehypothese, sowie der in Querschnittsstudien beobachtete Bauernhofeffekt im Längsschnittdesign getestet werden. Die Hygienehypothese besagt, dass Kinder in der postmodernen Gesellschaft weniger mikrobiellen Expositionen ausgesetzt sind, woraus eine vermehrte Anfälligkeit für Atopie und Allergie resultiert. Der Bauernhofeffekt sagt aus, dass auf traditionell geführten Bauernhöfen lebenden Menschen hohen und vielfältigen mikrobiellen Expositionen ausgesetzt sind, die sie über Stallstaubexposition aufnehmen und die durch den Konsum nicht prozessierter Kuhmilch ergänzt werden. Diese Expositionen führen dazu, dass Bauernfamilien weniger häufig an Allergie und Sensibilisierung gegenüber Allergenen leiden als Nichtbauernfamilien.
Material und Methoden:
Die in die dieser Arbeit verwendeten Daten wurde in Rahmen der PASTURE Studie gewonnen, einer europäischen, EU-geförderten Studie, welche in den Ländern Deutschland, Finnland, Frankreich, Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde. Die Geburtskohorte bestand aus Bauernfamilien von traditionellen Bauernhöfen. Die Referenzgruppe bestand aus Nichtbauernfamilien aus der gleichen Region. Die Exposition wurde über Fragebogenabfrage erhoben. Das Outcome wurde durch Messung des spezifischen IgEs im Blut als Maß für eine Sensibilisierung gegenüber bestimmten Allergenen bestimmt. Messwerte über 0,35 IU/ml wurden als positives Messergebnis gewertet.
In der vorliegenden Arbeit wurde die Prävalenz der Sensibilisierung sowohl gegen jegliche Allergene, als auch gegen die einzelnen Allergengruppen in der Gesamtpopulation und in den beiden Kohorten im 6. LJ der Kinder ausgewertet, jeweils für spezifisches IgE > 0,35 IU/ml und für spezifisches IgE >3,5 IU/ml. Weiterhin wurde die Exposition der Kinder im ersten LJ und ihre Atopiestatus im 6.LJ untersucht und nach möglichen Zusammenhängen gesucht. Es wurden dabei Expositionsvariablen aus dem Fragebogen nach Expositionen ausgewählt, welche in vorherigen Studien bereits als mögliche protektive oder Risikofaktoren identifiziert worden waren.
Ergebnisse:
Es zeigte sich, dass die Kinder der Bauernkohorte im 6. LJ weniger spezifisches IgE im Blut aufwiesen als die Referenzgruppe. Diese Unterschiede waren jedoch nicht signifikant. Bei den im Einzelnen untersuchten Expositionen konnte kein Schutzeffekt durch bauernhoftypische Expositionen gezeigt werden, ebenso nicht beim Stillen der Kinder länger als vier Monate. Die Betreuung der Kinder gemeinsam mit anderen Kindern zeigte einen schwachen Schutzeffekt für die Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittelallergenen bei ein cut-off Wert von spezifisches IgE > 0,35 IU/ml und ganzjährigen Allergenen bei ein cut-off Wert von spezifisches IgE > 3,5 IU/ml.
Der Aufenthalt der Mutter in einer Scheune erhöhte das Risiko einer Sensibilisierung gegenüber ganzjährigen Allergenen bei einem cut-off Wert von spezifisches IgE > 0,35 IU/ml. Rauchen der Mutter führte zu einer vermehrten Sensibilisierung gegenüber saisonalen Allergenen bei ein cut-off Wert von spezifisches IgE > 0,35 IU/ml. Allergische Symptome der Mutter erhöhten ebenfalls das Risiko einer Sensibilisierung gegenüber saisonalen Allergenen. Ein protektiver Effekt durch Stillen kann in dieser Arbeit jedoch nicht bestätigt werden.
Schlussfolgerung:
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bauernhofeffekt auf die Atopie nicht belegt werden konnte. Dies liegt möglicherweise am Studiendesign, insbesondere am Aufbau des Fragebogens. Ursachen könnten aber auch in dem sich veränderndem Umfeld der traditionellen Bauernhöfe liegen, welche unter dem Druck der fortschreitenden Modernisierung der Landwirtschaft von ihrem ursprünglichen Charakter abweichen.
Kurzfassung auf Englisch: Background:
The rising prevalence of allergic diseases and atopie in the past 100 years made them one of the big global health problems in the current century.
Through an epidemiologic study with longitudinal design this work aimed to examine which environmental factors do have a preventive effect on atopie. Also possible risk, as well as preventive factors were aimed to be investigated. Accomplishing this, the hygiene hypothesis as well as the farm effect, so far only observed in cross sectional design, should be tested in longitudinal design. The hygiene hypothesis indicates a lower microbial exposure for children in the postmodern society, followed by a higher susceptibility to atopie and allergy. The farm effect indicates a multifarious microbial exposure to people living on rual farms, through stabledust or non-processed farm milk, which leads to a lower prevalence of atopie among this people.
Material and methods:
Data used in this work were raised within the PASTURE study, a European, EU funded study including centers from Austria, Germany, Finland, France and Switzerland. The followed birth cohort persisted from families, living on rural farms. Families from the same area, but not living on a farm, were formed as comparison group. Environmental exposure was raised by questionnaire and atopie was raised by measuring specific IgE against specific allergens in the blood of farm and nonfarm children. Specific IgE above 0,35 ml/IU were counted as atopie positive result.
Prevalence of sensitization at the age of six, against any allergen as well as against groups of allergens, was evaluated within the overall population, as well as within the both cohorts. Sensitization against allergens was raised within two cut-offs: specific IgE ≥ 0,35 IU/ml and specific IgE ≥3,5 IU/ml. Additionally environmental exposition of the children and atopic status at age of six was raised and checked, if any association could be found. Here expositions were examined, which in former studies had been identified as possible risk- or preventive factors.
Results
It could be shown that children living on a farm at the age of six years hold less IgE in their blood-samples than children not living on a farm. But those disparities were not significant. Examining the individual farm exposures there was no farm effect found. Also nursing longer than four months showed no effect on atopie. Were the children attended with other children, there was a weak protective effect found for sensitization against food allergens for a ≥0,35 IU/ml specific IgE cut-off.
Maternal presence at a barn increased the risk of sensitization against perennial allergens at a ≥0,35 IU/ml specific IgE cut-off. Maternal smoking increased the risk of sensitization against seasonal allergens also at a ≥0,35 IU/ml specific IgE cut-off. An increased risk of sensitization against seasonal allergens could also be found if the mother had allergic symptoms. A protective effect through nursing could not be confirmed.
Conclusion:
In summary a farm effect on atopie could not been proven. The design of the study, especially the composition of the questionnaire could be an explanation. Another explanation could be changes at the rural farms, extinguished by the pressure of modernized agriculture.
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