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Testangst und deren Zusammenhang mit Testleistung: Effekte von Messzeitpunkt, Instruktion und funktionaler Bewertung der Angst

Test anxiety and its relationship with test performance: Effects of measurement time, instruction and functional appraisal of anxiety

Ott, Michael Konrad


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-130936
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/13093/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Prüfungsangst , Testängstlichkeit , Testangst , Leistung , Messzeitpunkt , Testinstruktion , stereotype threat , anxiety motivation
Freie Schlagwörter (Englisch): test anxiety, performance , measurement time , test instruction , stereotype threat , anxiety motivation
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Psychologische Diagnostik
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.06.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 24.08.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem negativen Zusammenhang von Testängstlichkeit (als trait) und Testangst (als state) mit Leistungen in Prüfungen und Tests. Drei in diesem Forschungsfeld bislang offene Fragen wurden behandelt.
Studie 1 basierte auf Befunden, dass Testängstlichkeit bzw. -angst stärker mit Leistung korreliert, wenn sie nicht vor, sondern nach einem Test erfasst wird. In einem Online-Experiment wurden N = 152 Studierende vor und nach einem Intelligenztest nach ihrer Testangst befragt. Die subjektive Leistung mediierte den Effekt der objektiven Leistung auf die nach dem Test berichtete Testangst. Die Ergebnisse legen nahe, dass Testangst womöglich eine Folge von (subjektiv schlechter) Leistung ist. Die objektive Leistung hatte jedoch auch einen direkten Effekt auf Testangst, was Raum lässt für die alternative Interpretation (Testangst verursacht Leistungseinbußen).
Studie 2 basierte auf der Frage, inwiefern Testangst den Effekt des „stereotype threat“ (STT) erklären kann. Einer Stichprobe von N = 168 männlichen und weiblichen Schülern wurde in einem Experiment ein numerischer Intelligenztest mit einer von drei verschiedenen Testinstruktionen vorgelegt. Durch diese Testinstruktionen sollte der STT und die evaluative Testatmosphäre manipuliert werden. Zwar zeigten sich Geschlechtsunterschiede in der Leistung in Abhängigkeit der Bedingungen, jedoch konnten diese entgegen der Erwartung nicht durch Testangst erklärt werden.
Studie 3 befasste sich mit leistungsförderlichen Effekten von Testangst („anxiety motivation“). Eine studentische Stichprobe (N = 496) bearbeitete in einem Experiment einen Intelligenztest. Eine reappraisal-Manipulation sollte eine leistungsförderliche Bewertung von Angst induzieren. In der Treatmentgruppe zeigte sich erwartungsgemäß eine schwächere Korrelation von Testangst und Testleistung als in der Kontrollgruppe, die weiteren Befunde stützten jedoch die Wirksamkeit der Manipulation nicht. Die Ergebnisse liefern darüber hinaus Hinweise, dass der negative Zusammenhang von Testängstlichkeit bzw. Testangst und Leistungskriterien durch „anxiety motivation“ moderiert wird – je eher Testängstlichkeit bzw. Testangst als förderlich empfunden wurde, desto schwächer war deren negativer Effekt.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich zukünftige Forschung stärker damit befassen sollte, wann und wie Testangst erfasst wird. Zudem sollte genauer untersucht werden, welche gewollten und ungewollten Effekte einzelne Elemente von Testinstruktionen nach sich ziehen. Außerdem sprechen die Ergebnisse dafür, dass die (motivierende) Bewertung von Testangst stärker berücksichtigt und getrennt vom „bloßen“ Erleben von Testangst analysiert werden sollte.
Kurzfassung auf Englisch: The present dissertation concentrates on the negative relationship between test anxiety (trait and state) and performance in exams and tests. Three research questions which were so far unanswered in this field of study were investigated.
Study 1 was based on findings that test anxiety correlates stronger with performance when it is measured after, not before a test. In an online-experiment, N = 152 university students were asked to indicate their test anxiety before and after a test. Perceived performance mediated the effect of actual performance on test anxiety measured after the test. Results indicate that test anxiety might be a consequence of (subjectively low) performance. Yet, actual performance still had a direct effect on test anxiety, which leaves space for the alternative causal interpretation (test anxiety causes performance decrements).
Study 2 addressed the question, whether test anxiety explains the effects of “stereotype threat” (STT). A sample of N = 168 male and female school students was given a numerical intelligence test with one out of three different test instructions. These test instructions should manipulate STT as well as the evaluative atmosphere of the test. Gender differences in performance were observed depending on the different experimental conditions. However, these differences could not be explained by test anxiety.
Study 3 investigated facilitating effects of test anxiety (“anxiety motivation”). In an experiment, a sample of university students (N = 496) completed an intelligence test. A reappraisal-manipulation was conducted to induce a facilitating appraisal of anxiety. In line with expectations, there was a weaker correlation between test anxiety and test performance in the treatment group compared to the control group, but further results did not support the effectiveness of the manipulation. Additionaly, the results indicate that the negative relationship between test anxiety and performance criteria was moderated by “anxiety motivation” – the negative effects of test anxiety diminished when test anxiety was believed to facilitate performance.
The results suggest that future studies should take into account when and how test anxiety is being measured. Furthermore, desired and undesired effects of different elements of test instructions should be scrutinized more thoroughly. Moreover, the results propose a stronger attention towards (motivating) appraisals of test anxiety, which should be analyzed separately from the “mere” experience of test anxiety.
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