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Prospektiv-randomisierter Vergleich zweier Nitrat-stimulierter Kipptischuntersuchungsmethoden

Wolf, Anika


Originalveröffentlichung: (2017) Gießen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.347 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-129554
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/12955/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik I, Abteilung für Kardiologie und Angiologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6588-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.06.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 20.07.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Eine plötzliche Bewusstlosigkeit, die durch eine transiente Minderdurchblutung des Gehirns entsteht, bezeichnet man als Synkope. Mit einer Lebenszeitinzidenz von bis zu 39% sind Synkopen ein häufiges klinisches Problem. Etwa 1,5% der Patienten in Notaufnahmen stellen sich mit diesem Symptom vor. Ist die Ursache der Synkope unklar, aber eine vasovagale Genese naheliegend, gilt die Kipptischuntersuchung als etablierte und effektive diagnostische Maßnahme. Die nitratstimulierte Kipptischuntersuchung wird gegenüber einer rein passiven Untersuchung bevorzugt, da sie sich durch eine erhöhte Sensitivität bei unbeeinträchtigter Spezifität auszeichnet. Die Durchführung der Untersuchung nach dem am häufigsten angewandten und in den aktuellen Leitlinien empfohlenen Protokoll ist jedoch sehr zeitintensiv und verursacht dadurch enorme Kosten und eine hohe Nutzung von Ressourcen. Durch einen Verzicht auf die passive Stehphase kann die Untersuchung verkürzt und besser in den klinischen Alltag integriert werden. Bisher existieren jedoch nur wenige prospektiv-randomisierte Daten zum Vergleich von nitratstimulierten Kipptischuntersuchungen mit und ohne passive Stehphase.
Wir schlossen 100 Patienten mit leitliniengerechter Indikation zur Kipptischuntersuchung in diese prospektive Studie ein. Die Patienten wurden mittels Briefumschlag-Randomisierung einem der beiden Protokolle zugeordnet. Bei 50 Patienten wurde das konventionelle Kipptischprotokoll mit einer passiven Stehphase von 20 Minuten, anschließender Gabe von 0,4mg Glyceroltrinitrat-Spray s.l. und weiteren 16 Minuten aktiver Stehphase durchgeführt. Der Kippwinkel lag bei 70°. 50 Patienten erhielten das verkürzte Protokoll, welches bei sonst identischen Bedingungen auf die passive Stehphase verzichtet. Als positives Testergebnis wurde das Auftreten einer Synkope oder Präsynkope mit nicht tolerierbarer Hypotonie und/oder Bradykardie gewertet. Die eingetretenen Synkopen wurden je nach hämodynamischem Profil als vasodepressorische, kardioinhibitorische oder gemischte Reaktion klassifiziert.
Die Positivraten beider Untersuchungsvarianten unterschieden sich mit 34% im verkürzten und 42% im konventionellen Protokoll nicht signifikant (p= 0,537). Hinsichtlich des hämodynamischen Profils der Synkope zeigte sich ebenfalls kein Gruppenunterschied. Verglichen mit dem konventionellen Protokoll reduzierte sich die Untersuchungszeit bis zum Eintreten eines positiven Testergebnisses im verkürzten Protokoll signifikant von 23±11 auf 11±4 Minuten (p< 0,001).
Unsere Daten zeigen, dass sich das verkürzte Kipptischprotokoll mit Verzicht auf eine passive Stehphase als gleichwertige Alternative zu dem bisher etablierten Protokoll anbietet. Dies wurde bereits an selektierten Patientengruppen gezeigt und konnte von uns an einem im klinischen Alltag auftretenden Patientenkollektiv bestätigt werden.
Kurzfassung auf Englisch: A sudden loss of consciousness caused by transient hypoperfusion of the brain is called syncope. With a lifetime incidence of up to 39%, syncopes are a common clinical problem. About 1.5% of emergency room admissions are due to this symptom. If the cause of syncope is unknown, but vasovagal origin suspected, tilt table testing is a well-established and effective diagnostic tool. Nitrate-stimulated tilt testing is preferred over a simple passive examination, as it is characterized by a higher sensitivity while maintaining specificity. Performing this examination in accordance with the most commonly used protocol and as recommended in current guidelines is, however, very time-consuming and therefore results in a high amount of costs and resource utilization. The absence of a passive tilt phase allows a shortened test, which can be better integrated in daily clinical routine. To date, the prospective randomized data comparing nitrate-stimulated tilt tests with and without a preceding passive phase are limited.
In this prospective clinical trial, we included 100 patients with an indication for tilt testing according to current guidelines. Patients were assigned to one of two protocols via sealed envelope randomization. Fifty patients were administered the conventional tilt test protocol with a passive tilt phase of 20 minutes followed by sublingual application of 0,4mg glyceryl trinitrate spray and a further 16 minutes of active tilt phase. The tilt angle was 70°. In 50 patients the shortened protocol was performed. This protocol omitted the passive tilt phase with otherwise identical conditions. A positive test response was defined as the occurrence of syncope or presyncope due to hypotension and/or bradycardia. Based on the haemodynamic profile, syncopes were classified as vasodepressor, cardioinhibitory or mixed type of response.
Thirty-four percent of patients assigned to the shortened protocol compared to 42% of patients in the group with the conventional protocol had a positive test response, which is no significant difference between the two groups (p=0,537). Regarding the haemodynamic profile of syncope there was no group difference either. Compared to the conventional protocol, time to positive test response was significantly reduced in the shortened protocol from 23±11 to 11±4 minutes (p<0,001).
Our data show that the shortened tilt test protocol without a passive tilt phase can be considered as an equivalent alternative to the established protocol. This has already been shown in selected patient groups and could now be confirmed in a real-world patient group.
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