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Prospektive Studie zur Evaluation der Patientensicherheit in der Anästhesie beim Hund

Grammel, Lukas


Originalveröffentlichung: (2017) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (15.559 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-124835
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/12483/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6536-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.01.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 20.02.2017
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wird das Auftreten von Narkosekomplikationen und deren möglichen Faktoren untersucht. Als Komplikation werden alle Ereignisse beschrieben, welche das Eingreifen des Anästhesisten erforderlich machen. Als Faktoren werden in dieser Arbeit alle patienten-, eingriff- und anästhesiebedingten Einflüsse verstanden. Zu den patientenbedingten Einflüssen zählen Alter, Rasse, Geschlecht, Gewicht und Allgemeinbefinden. Die eingriffsbedingten Einflüsse umfassen die Art des chirurgischen Eingriffes, die Narkosedauer sowie die Dauer welche für die Vorbereitung des Patienten benötigt wurde. Die anästhesiebedingten Einflüsse sind alle verwendeten Medikamente sowie die anästhesiologischen Techniken wie das Anästhesieverfahren (Inhalations-, Injektionsanästhesie, Partielle Intravenöse Anästhesie, Total Intravenöse Anästhesie), die Beatmung und die Epiduralanästhesie.
Mit der vorliegenden Arbeit sollte der Frage nachgegangen werden, welches Risiko für das Auftreten von Narkosekomplikationen bei 1800 in Allgemeinanästhesie untersuchten bzw. behandelten Hunden der Klinik für Kleintiere, Chirurgie, der Justus-Liebig-Universität Gießen in einem Zeitraum von Januar 2013 bis September 2014 bestanden hat.
Es erfolgte die Einteilung der aufgetretenen Narkosekomplikationen nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung während der Einleitung, intraoperative Narkosekomplikationen und Komplikationen während der Aufwachphase.
Nach der Definition der Narkosekomplikationen und der Einflussfaktoren wurden die Zusammenhänge statistisch ausgewertet. Zudem wurden die Einflussfaktoren auch auf einen Zusammenhang mit der Narkosesterblichkeit ausgewertet.
In die statistische Auswertung flossen die gesammelten Informationen der während der Anästhesie geführten Narkoseprotokolle sowie die Informationen der digital geführten Krankenakten ein. Unzureichend dokumentierte Anästhesien wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
Untersucht wurden in der vorliegenden Studie das Auftreten einer Apnoe, Erregung, Verlegung der Atemwege sowie Vomitus bei der Einleitung. Während der intraoperativen Phase wurde das Auftreten vom Arrhythmien, das Erwachen, Hypothermie, Hypotonien, Hypoxie, und eine Verlegung der Atemwege ausgewertet. In der Aufwachphase wurden das Auftreten einer Apnoe, Dyspnoe, Exzitationen, Verlegung der Atemwege sowie Vomitus untersucht. Das Auftreten eines Herzkreislaufstillstands wurde aufgrund der geringen Häufigkeit für den gesamten Zeitraum statistisch ausgewertet.
In der vorliegenden Studie ist die häufigste Komplikation während der Anästhesie die Hypothermie. Sie trat bei 68,7 % (n = 737/1073) der untersuchten Anästhesien auf. Als weitere häufige Komplikationen in der Anästhesie zeigen sich die Bradykardie 28,0 %. (n = 412/1470) und die Hypotonie 21,7 % (n = 148/683).
Zwischen den atmungsbedingten Komplikationen bei der Einleitung und in der Aufwachphase besteht ein signifikanter Zusammenhang zu dem Vorliegen einer Brachyzephalie. Sie zeigten Apnoe bei Einleitung (p < 0,001), Dyspnoe in der Aufwachphase (p < 0,001), Verlegung der Atemwege bei Einleitung (p < 0,001), Verlegung der Atemwege in der Aufwachphase (p = 0,024).
Einen statistisch schwach signifikanten Einfluss auf das Auftreten eines Herzkreislaufstillstands während der Anästhesie zeigt in der vorliegenden Untersuchung eine zentralnervöse Grunderkrankung (p = 0,047). Die Patienten mit einer zentralnervösen Grunderkrankung zeigten ein 7fach erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Herzkreislaufstillstands.
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass in der Anästhesie beim Hund häufig Komplikationen auftreten. Die Auslösenden Faktoren für die Narkosekomplikationen sind sehr variabel. Die in der Studie festgestellte Narkosesterblichkeit von 0,2 % (n = 1800), ist mit den in der aktuellen veterinärmedizinischen Literatur veröffentlichten Daten vergleichbar. Darüber hinaus werden in der Klinik für Kleintiere, Chirurgie, der Justus-Liebig-Universität Gießen nur selten elektive Eingriffe an jungen gesunden Hunden durchgeführt. In weiteren Studien sollten die Narkosekomplikationen beim Hund noch weiter untersucht werden um das Narkoserisiko weiter zu senken.
Kurzfassung auf Englisch: The purpose oft the present study was to evaluate the anaesthetic risk and the occurrence of anaesthesia complications and their influencing factors for dogs undergoing general anaesthesia in the clinic for small animals of the Justus-Liebig-University Gießen. All events which occur during anaesthesia and require an action by the anaesthetist necessary are described as anaesthetic complications. In this study parameters were identified that influenced the occurrence of anaesthesia complications. The factors influencing general anaesthesia have been divided into factors relating the patient, the procedure and the anaesthesia procedures. The possible complications of anaesthesia were classified by the time of their manifestation. Therefore it could be distinguished between complications during induction, intraoperative complications and complications during recovery. The patients age, breed, sex, weight and general condition belong to the patient related factors. The procedure related factors include the type of procedure, the duration of the anaesthesia, the duration required for the preparation oft the patient. Furthermore there are the anaesthesia-related factors like the used drugs, anaesthesia technics, mechanical ventilation and epidural anaesthesia.
All dogs that underwent general anaesthesia at the surgical department of the clinic for small animals of the Justus-Liebig-University Gießen in the time from January 2013 until September 2014 were included in this study.
The complications and influencing factors were identified and defined. Afterwards the relationships between the complications and the influencing factors were statistically evaluated. The influencing factors were also examined concerning the anaesthetic death rate.
The analysis included all information which were gathered and documented by the anaesthetist during the aesthesia on the anaesthesia protocol and the digital patient data sheet. Insufficient documented anaesthesia, were not included into the evaluation.
The study examined the occurrence of apnoea, excitement, airway obstruction and vomitus during the induction phase. During the procedure the occurrence of arrhythmias, awakening, hypothermia, hypotension, hypoxia and an airway obstruction were evaluated. In the recovery phase the occurrence of apnoea, dyspnoea, excitations, airway obstruction and vomitus were evaluated. The occurrence of a cardiac arrest was evaluated for the whole anaesthetic time.
In the present study, the most frequent complication during the anaesthesia was a hypothermia. A hypothermia occurred in 68.7 % (n = 737/1073) of the examined anaesthetic procedures. Furthermore, 28.0 %. (n = 412/1470) of the patients showed a bradycardia. 21.7 % (n = 148/683) of the examined dogs had a hypotension.
The study shows statistical relations between brachycephalic patients and the occurrence of respiratory complications during the induction and recovery phase. The brachycephalic dogs show an apnoea during induction phase (p < 0.001), dyspnoe during recovery phase (p < 0.001), airway obstruction during induction (p < 0.001) and airway obstruction during the recovery phase (p = 0.024).
The study shows that a patient with an underling disease of the central nervous system has a 7times-increased probability of a cardiac arrest during general anaesthesia.
Anaesthetic complications happen frequently in dogs undergoing general anaesthesia. The underlying causes vary between the different complications. The mortality of 0.2 % (n = 1800) as determined in the study is comparable to the data published in the current veterinary medical literature. Furthermore elective interventions are rarely performed on young healthy dogs at the surgical department of the clinic for small animals of the Justus-Liebig-University Gießen. Additional studies should be performed for further evaluations on the patient safety in small animal anaesthesia.
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