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Die „Pickelhaube“ als soziales Phänomen : zwischen Militarismus und Symbolismus,Analyse und Rekonstruktion des soziokulturellen Wandels eines deutschen Symbols

The „Pickelhaube“ as a social phenomenom : between militarism and symbolism, analysis and reconstruction of the socialcultural change of a german symbol

Wolf, Michael


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-124582
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2017/12458/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Pickelhaube , Symbolismus , Militarismus , Wilhelminismus , Militärhelm
Freie Schlagwörter (Englisch): symbolism , typical german , Militarism, Wilhelminism , german history
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Soziologie
Fachgebiet: Sozial- und Kulturwissenschaften fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Geschichte Deutschlands
Dokumentart: Masterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 05.12.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit baut auf dem Artefakt der „Pickelhaube“ auf, die von 1842 bis 1916 in erster Linie von einem Großteil der preußischen bzw. deutschen Truppenkontingente sowie u.a. der Polizei getragen wurde. Das äußere Erscheinungsbild der deutschen Soldaten und des deutschen Staatsapparates wurde durch diesen Helm wesentlich mitbestimmt. Wir wollen erarbeiten, inwieweit die Pickelhaube schließlich zum klassischen Symbol des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) und des deutschen Militarismus wurde. Darüber hinaus wollen wir in dieser Arbeit auch ihren ideellen und emotionalen Ursprung herausstellen und verdeutlichen sowie den geistigen Einfluss, der auf die „Erfindung“ der Pickelhaube einwirkte. Denn schon zur Zeit des preußischen Königtums wurde die Pickelhaube in der deutschen Gesellschaft zum Objekt und zum Symbol der von Preußen ausgehenden staatlich/militärischen Macht, nach 1871 dann auch über die deutschen Grenzen hinaus. Gegenüber der innerdeutschen Auseinandersetzung wollen wir auch die ausländische Sicht auf dieses deutsche Symbol zur Emanzipation als Militärsymbol und Aushängeschild Deutschlands erarbeiten. Denn mit der Pickelhaube lässt sich die konkrete Geschichte des kleindeutschen Nationalstaats unter Führung Preußens nachvollziehen. Ihr Werdegang zu einem nationalen Wahrzeichen war eng geknüpft mit den Kriegen und Konflikten, welche den Aufstieg und den Fall des Kaiserreichs wie auch Preußens begleiteten: die „Märzrevolution“ von 1848/49, die „Einigungskriege“ der Jahre 1864 bis 1866, der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 und der Erste Weltkrieg 1914-1918. Die Pickelhaube begleitet darüber hinaus eine zeitlose Ansicht über Deutschland und die Deutschen sowie über deren mutmaßlichen Eigenschaften und Stereotypen. Gerade die Verarbeitung auf künstlerischer Ebene, allen voran in der Karikatur, kann und soll in dieser Arbeit die symbolische und soziale Bedeutung der Pickelhaube zusätzlich herausstellen. Eine besondere Verunglimpfung wiederfuhr ihr dabei während des Ersten Weltkrieges, in dem sie als Symbol „deutscher Weltmachtansprüche“ und „deutscher Barbarei“, von den Kriegsgeg-nern Deutschlands propagandistisch verarbeitet wurde. Gerade in dieser Zeit erhielt die Pi-ckelhaube eine stark negative Konnotation, welche der staatlich geführten antideutschen („Angst- und Gräuel-“) Propaganda der Alliierten zuzuschreiben war. Dieser Einfluss wirkt bis heute noch nach, was sich Anhand der medialen Darstellung Deutschlands im Ausland zeigt. Karikaturisten verwenden die Pickelhaube bis heute gerne, wenn es um die Darstellung eines machthungrigen Deutschland geht. Dabei leitet die Pickelhaube das Augenmerk auf die preußischen Anteile bei der Herausbildung eines mutmaßlichen Nationalcharakters. Nicht nur für Karikaturisten signalisiert dabei die phallische Spitze Autorität und Aggressivität. Sie dient gemeinhin als ein Erkennungsmerkmal und als ein mit Werten versehenes Charakteristi-kum. So weiß man beispielsweise bei seinem Träger sofort, dass er ein Deutscher ist. Auch heute wird noch in verschiedensten Medien auf die Pickelhaube zurückgegriffen, wenn es darum geht deutsches bzw. Deutsche in irgendeiner Weise zu versinnbildlichen, darzustellen oder zu diffamieren. So u.a. die noch nicht lange zurückliegende Abbildung Kanzlerin Angela Merkels mit Pickelhaube in der Bild vom 7. Juli 2015 oder die des damaligen Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft Michael Ballack, mit eben dieser behelmt in der polnischen Zeitung Fakt . Um diese wichtige Komponente besser erfassen zu können, kommt den über die Arbeit verteilten bildanalytischen Komponenten eine besondere Bedeutung zu.
Wie bereits angedeutet soll das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf der sozialen Komponente beruhen. Dabei soll u.a. versucht werden zu ergründen, wodurch und inwieweit die Pickelhaube gesellschaftlich reproduziert wurde und welcher soziale Stellenwert ihr zugesprochen werden kann. Denn beispielsweise wird der Begriff „Pickelhaube“ auch in der deutschen Gebärdensprache verwendet; so symbolisiert ein über der Stirn ausgestreckter, nach oben zei-gender Zeigefinger die Pickelhaube und bedeutet „deutsch“ oder „Polizei“. Ein Schwerpunkt wird in dieser Arbeit vor allem der gesellschaftlichen Betrachtung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewidmet, welche als richtungsweisend für die symbolische Fortentwicklung dieses Helmes angesehen werden kann. Aber auch über diese Epoche hinaus werden wir versuchen zu durchleuchten, welche mutmaßliche Symbolik der Helm hatte und unter Umständen immer noch besitzt.
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