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Evidenzbasierte Auswertung und klinische Untersuchungen zur Durchführung und Prognose der operativen Geburtshilfe beim Hund

Fux, Vanessa


Originalveröffentlichung: (2016) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.508 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-121746
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12174/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6466-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.06.2016
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 18.07.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Arbeit war es, einen übergreifenden und umfassenden Überblick über die Sectio caesarea beim Hund zu geben. Ebenso sollte die Evidenz der veterinärmedizinischen Literatur zu diesem Thema bewertet und diskutiert werden. Des Weiteren wurden die klinischen Daten zum Kaiserschnitt am Beispiel der durchgeführten Kaiserschnitte während eines Zeitraumes von elf Jahren an der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen ausgewertet und mit anderen Studien und Literaturangaben verglichen. Im dritten Teil wurden Tupferproben aus dem Cavum uteri während einer Sectio caesarea zur bakteriologischen Untersuchung entnommen und ausgewertet.
Zu diesem Zweck wurde die Arbeit in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil beinhaltet eine zusammenfassende Literaturrecherche zu allen Bereichen die Sectio caesarea bei der Hündin betreffend. Im zweiten Teil werden die Patientendaten ausgewertet. Folgende relevante Daten wurden gefunden:
- Es wurde eine Überzahl an Expertenmeinungen, Editorials und Consensus Reports (63,3 %) festgestellt. Am zweithäufigsten traten Fallserien (19,3 %) auf, am dritthäufigsten Einzelfallbeschreibungen (4,6 %). Andere Studientypen wie Kohorten-Studien, Fall-Kontroll-Studien und verblindete, randomisierte, kontrollierte Studien wurden nur jeweils einmal ermittelt.
- Die meisten Veröffentlichungen widmen sich dem Thema der Anästhesie (57) in Zusammenhang mit der Sectio caesarea beim Hund. Darauf folgen die Themen Operationsdurchführung (44), präoperative Vorbereitung (43), Betreuung der Welpen und der Hündin während der Aufwachphase (29), Dystokie allgemein (25) und Indikationen zum Kaiserschnitt (24).
- Großrassen machten mit 42 % den größten Anteil an Hündinnen aus, an denen ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde. An zweiter und dritter Stelle stehen die Zwergrassen mit 23 % und die Kleinrassen mit 12 %. Ähnliche Ergebnisse und Angaben finden sich in früheren Studien zu diesem Thema.
- Das Durchschnittsalter der operierten Hündinnen liegt bei 4,9 Jahren und befindet sich somit im Altersbereich der Hündinnen anderer Studien. Ebenso konnte in dieser Arbeit sowie in anderen Arbeiten eine Häufung der Kaiserschnitte im Alter zwischen zwei und acht Jahren festgestellt werden. Das Übereinstimmen des Durchschnittsalters und des gehäuften Auftretens der Kaiserschnitte zwischen zwei und acht Jahren lässt sich darauf zurückführen, dass Hündinnen hauptsächlich in dieser Zeit zur Zucht genutzt werden.
- Primipare Hündinnen hatten öfter eine Sectio caesarea als pluripare Hündinnen. Sie machten 45,3 % aller Hündinnen aus.
- Wie in anderen Studien wurde in dieser Untersuchung festgestellt, dass mehr konservative (70 %) als radikale Kaiserschnitte (30 %) durchgeführt werden. Eine konservative Operation ist in den meisten Fällen vom Besitzer gewünscht, damit die Zuchtfähigkeit erhalten bleibt.
- Die Überlebensrate der Hündinnen dieser Studie liegt bei 96,7 %. Überlebensraten von 97 - 100 % ergeben sich auch aus anderen Studien der letzten 15 Jahre. Die Überlebensrate bei einer konservativen Sectio caesarea liegt in allen Studien, einschließlich dieser Untersuchung, höher als nach einer Sectio porro.
- Die bakteriologische Untersuchung von 51 Tupferproben aus dem Uterus ergab einen Anteil von 69 % positiven und 31 % negativen Ergebnissen. Es wurden 20 verschiedene Bakterienspezies/-gruppen nachgewiesen.
- Retrospektiv konnte für Hündinnen dieser Untersuchung eine Fruchtbarkeitsrate von 100 % nach der Durchführung einer Sectio caesarea ermittelt werden. Vergleichbare Studien zur Fruchtbarkeitsrate nach einer Sectio caesarea bei der Hündin existieren zurzeit nicht.
- In der Literatur werden Welpenüberlebensraten von 24 - 100 % beschrieben. Neuere Studien ergaben eine Überlebensrate von 70 - 100 %. Die Welpenüberlebensrate in dieser Arbeit liegt bei einem Wert von 73,5 %, wobei nach einer Sectio caesarea conservativa 76,3 % und nach einer Sectio porro 67,9 % der Welpen lebten. Es konnte kein Unterschied zwischen der Überlebensrate der Welpen, die vor einer Operation geboren wurden und derer, die per Sectio caesarea entwickelt wurden, aufgedeckt werden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein Mangel an evidenzstarken Veröffentlichungen zum Thema Geburtshilfe/Sectio caesarea bei der Hündin besteht. Studien zu diesem Thema mit höherer Evidenz sollten durchgeführt und dokumentiert werden. Zum ersten Mal konnten in dieser Arbeit Angaben zur intrauterinen Bakteriologie und Fruchtbarkeit nach Sectio caesarea gemacht werden.
Kurzfassung auf Englisch: The objective of this thesis was to give a comprehensive, all-including overview of caesarean section in the bitch. Another aim was to evaluate and discuss current veterinary literature dealing with this matter. Furthermore clinical data pertaining to caesarean section performed at the “Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen” over 11 years was analyzed and compaired to other clinical trials and bibliographical references. In the third part swab samples have been taken from the cavum uteri during the caesarean sections for bacteriological examination and the results have been interpretated.
On this purpose this paper was divided into two parts. The first one is a literature review about all areas affecting caesarean section in the bitch. In the second part patients data is interpretated. The following relevant results were found:
- A clear majority of expert opinions, editorials and consensus reports (63.3 %), was found. Case series (19.3 %) were second mostly occurring. Third most frequent were case reports (4.6 %). Other study types such as cohort studies, case-control-studies and blinded, randomized, controlled studies were respectively detected only once.
- Most of the publications were found on the topic of anesthesia (57) in connection with caesarean in the bitch. Following topics are operation procedure (44), preoperative preparations (43), care for puppies and the bitch during recovery phase (29), dystocia in general (25) and indications (24) for caesarean section.
- Large dog breeds accounted the biggest portion of dogs, which underwent a caesarean section. In the second and third place miniature breeds (23 %) and small breeds (12 %) were found. Similar results and information are found in earlier studies regarding this subject.
- The average age of operated bitches is 4.9 years and is therefore in the age range of the bitches in other studies. Equally an accumulation of caesarean sections at the age between two and eight years could be assessed in this study as well as in other studies. The similar average age and the accumulation of caesarean sections between two and eight years can be ascribed to the breeding age of bitches.
- Caesarean sections were performed more often in primiparous than in pluriparous bitches. Primiparous bitches accounted 45.3 % of all bitches.
- As in other studies also in this study there were more conventional caesareans (70 %) performed than radical caesareans (30 %). In most cases conventional operation was desired by the owner to maintain breeding capacity.
- In this study a survival rate of 96.7 % for bitches was found. A survival rate of 97 - 100 % was the result of other studies of the last 15 years. In all studies, this one included, survival rates after conventional caesarean section were higher than after a radical caesarean section.
- Bacteriological examination of 51 swab samples of the uterus added up to a share of 69 % positive and of 31 % negative results. 20 different germs were identified.
- A fertility rate of 100 % for bitches undergoing caesarean sections was identified in this study. At present any comparable studies about fertility rates in bitches after a caesarean section do not exist.
- In literature survival rates for puppies are described from 24 - 100 %. Recent studies had survival rates from 70 - 100 %. In this study a survival rate of 73.5 % was found. With 76.3 % more puppies survived after a conventional caesarean section than after a radical caesarean section (67.9 %). There was no difference between the survival rates of puppies born before a caesarean section and puppies delivered by a ceasarean section.
In summary, a lack of strong evidence publications can be noted for the subject of obstetric/caesarean section in the bitch. Studies with higher evidence should be performed and documented. In this study for the first time, information about intrauterine bacteriology and fertility after caesarean section was provided.
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