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Einfluss von oral applizierter Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel auf die Thrombozytenfunktion beim gesunden erwachsenen Hund

Steinel, Jonas


Originalveröffentlichung: (2016) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-119300
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/11930/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinische Pathophysiologie und Klinische Laboratoriumsdiagnostik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6410-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.11.2015
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 15.02.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Das Risiko von Thromboembolien verschlechtert bei vielen Erkrankungen der Endokrinologie, des Herz-Kreislauf-Systems und bei septischen Prozessen des Hundes deren Prognose. Die Behandlung mit einem Thrombozytenaggregationshemmer kann diesem Risiko entgegenwirken und wird, wahrend in der Humanmedizin schon Standardtherapie, zunehmend auch in der Veterinarmedizin eingesetzt. Die Wirkung solcher Substanzen in der Tiermedizin ist bisher kaum untersucht. Die vorliegende Studie hat daher uberpruft, ob Acetylsalicylsaure beziehungsweise Clopidogrel bei Hunden die Thrombozytenfunktion ausreichend hemmen. Die Wirksamkeit der beiden Praparate wurde mit der Vollblutaggregometrie ermittelt. Die prospektive Studie (TVA GI 18/17 Nr. 95/2011) wurde mit zehn gesunden, erwachsenen Beaglehunden der Justus Liebig Universitat Giesen durchgefuhrt. An Tag 1 bekamen die Hunde jeweils eine 10mg/kg Loading Dose ASS oder Clopidogrel, an den Tagen 2-4 entweder 1mg/kg ASS beziehungsweise 2 mg/kg Clopidogrel. Die Medikamente wurden oral mit Nassfutter verabreicht. Blutentnahmen an der Vena jugularis erfolgten direkt vor Medikamentengabe sowie 6h, 12h und 24h nach der initialen Loading Dose, danach bis zum 4. Tag einmal taglich und anschliesend bis zum Tag 14 jeden 2. Tag. Vor der ersten Medikamentengabe, nach 4 Tagen und nach 14 Tagen wurde eine blutchemische Untersuchung (PENTRA 400, Axonlab, Reichenbach/Stuttgart) durchgefuhrt. Das Blut wurde hamatologisch, inklusive Thrombozytenindizes, untersucht und eine Retikulozytenzahlung am ADVIA 2120 (Siemens Healthcare Diagnostics, Eschborn) durchgefuhrt. Die Thrombozytenfunktion wurde mit Vollblutaggregation (Multiplate, Roche Diagnostik GmbH, Mannheim) unter Zusatz eines Agonisten – (Arachidonsaure 0,5mM (ASPI), Adenosindiphosphat 6,5μl (ADP), Kollagen 3,2μl (COL) oder Prostaglandin 9,4nM (PG) + ADP 6,5μl – analysiert. Eine Kaolin-aktivierte Thrombelastographie (TEG) erfolgte vor sowie 6h und 24h nach der Loading Dose und an Tag 14 zum Ende der jeweiligen Messperiode. Fur die statistische Auswertung wurde ein Test auf Normalverteilung mittels Q-Q-Plot und anschliesend eine 2-faktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung durchgefuhrt. Die Analyse erfolgte durch die Arbeitsgemeinschaft Biomathematik und Datenverarbeitung an der Justus Liebig Universitat unter Leitung von Dr. rer. Nat. Dipl. Math. Klaus Failing. Die Ergebnisgrafiken wurden mit dem Computerprogramm GraphPad Prism 6 erstellt. Die TEGMessungen wurden log-transformiert und mit einem Signifikanz-Test festgelegter Daten mit Kovarianten ausgewertet. Das Signifikanzniveau betrug p<0,05. In der vorliegenden Studie waren die Ergebnisse des Multiplate aussagekraftig. Die Messwerte wurden als Flache unter der Kurve (AUC) angegeben, andere Parameter wie die Rotationsgeschwindigkeit oder die Aggregation zeigten ahnlich gute Ergebnisse. Kein Hund zeigte im Studienzeitraum klinische Anzeichen einer Unvertraglichkeit auf die Medikamente. Die initiale Dosis von 10mg/kg ASS fuhrte bei 5/10 (50%) der Probanden zu einer ausreichenden Inaktivierung (PAUC<0,0001) der Thrombozyten (> 48% Reduktion der AUC zum Ausgangswert). Die folgende Erhaltungsdosis von 1mg/kg konnte dagegen nur bei einem Hund die Blutgerinnung uber die gesamte Behandlungsdauer (4 Tage) erfolgreich hemmen. Die verbleibenden vier Hunde zeigten nur bis 24 Stunden nach Therapiebeginn eine genugende Hemmung der Thrombozytenfunktion. Bei der nachsten Messung, einen Tag spater, waren die Werte wieder normal. Clopidogrel wies bei allen Probanden eine ausreichende Hemmung (PAUC<0,0001) uber den gesamten Behandlungszeitraum auf. Eine erneute Zunahme der Thrombozytenfunktion fand bei einem Hund bereits drei Tage nach der ersten Gabe statt, wahrend sie bei sechs Probanden an Tag 6 erfolgte. Drei Hunde zeigten eine Wirkung uber acht Tage . Die Verwendung von Kollagen als Agonist fur das Multiplate zeigte keine signifikante Anderung der AUC im Vergleich zur Ausgangsmessung vor der Medikamentengabe (PAUC=0,8242), weder bei ASS noch bei Clopidogrel. ASPI (Arachidonsaure) hingegen reduzierte bei beiden Thrombozytenaggregationshemmern die AUC (PAUC<0,0001) signifikant und eignet sich somit zur Funktionsuberprufung der eingesetzten Medikamente. Die Arachidonsaure war der einzige der verwendeten Agonisten, der die Hemmung der Thrombozytenfunktion sowohl bei ASS als auch bei Clopidogrel darstellen konnte. Jedoch sind Hunde im Grenzbereich mittels einer ADP-Messung zu uberprufen. ADP zeigte in der vorliegenden Studie nur bei der Verwendung des Inhibitors des Glykoprotein 2b3a-Rezeptorkomplexes eine Erniedrigung der AUC, wahrend bei der Gabe von Acetylsalicylsaure keine signifikanten Unterschiede zu erkennen waren. Setzt man nur Clopidogrel ein, sollte besser ADP zur Verlaufskontrolle der Therapie verwendet werden. Auch ist hier eine Zugabe von Prostaglandin E1 moglich. Durch die so sensibilisierte Messung konnen auch Patienten ermittelt werden, welche zwar noch auf die Therapie ansprechen, bei denen eine Anpassung der Dosis jedoch zu erwagen ist, um weiterhin eine sichere Arzneimittelwirkung zu gewahrleisten. Weder die Thrombozytendichte (MPC), noch die Anzahl der Thrombozyten anderte sich im Studienverlauf. Dies schliest eine starke Aktivierung oder einen Verlust von Thrombozyten durch die Studienmedikation aus. Die anfangliche TEG-Messung mit den Agonisten ASPI bzw. ADP wurde im Verlauf der Studie vorzeitig beendet, da sich die Werte auch unter ansteigender Dosierung der Agonisten nicht anderten. In Ubereinstimmung mit der Literatur (Sharpe et al., 2010) fanden sich bei der ASS-Therapie Non-Responder beim Hund, weshalb eine Therapiekontrolle, zum Beispiel mittels Vollblutimpedanzaggregometrie empfohlen wird. Weitere Studien mussen klaren, ob eine hohere ASS Dosis die Zahl der Non-Responder reduzieren kann. Die hier verwendete Erhaltungsdosis von 1mg/kg erscheint auf Grund der vorliegenden Ergebnisse zu gering. Eine initiale Loading Dose Clopidogrel mit nachfolgender Erhaltung zur Thrombozytenfunktionsinhibition fuhrte in dieser Studie bei allen Probanden zu einer ausreichenden Hemmung der Thrombozytenfunktion. Eine Therapiekontrolle ist jedoch auch hier sinnvoll, da mittels ASPI Low-Responder nachgewiesen wurden. Diese sollten genau beobachtet und engmaschig kontrolliert werden. Weitere Studien an erkrankten Hunden mit erhohtem Thromboserisiko sollten folgen, um die Ergebnisse dieser Studie zu uberprufen, und neue Erkenntnisse hinzuzugewinnen.
Kurzfassung auf Englisch: The thromboembolic risk worsens the outcome in many endocrinologic and cardiovascular diseases as well as in septic processes in dogs. Platelet aggregation inhibitors can counteract this danger and, meanwhile standard therapy in humans, are more and more used in veterinary medicine. But the real impact of such substances is hardly examined. This study has verified the platelet inhibitoring effect of acetylsalicylic acid (ASA) and clopidogrel in dogs. The effectiveness of both the compounds has been investigated in form of whole blood aggregometry. The prospective study (TVA GI 18/17 Nr. 95/2011) was carried out with 10 healthy, adult beagle dogs of the Justus Liebig University in Giessen. The dogs each got an initial dose of 10mg/kg ASA or 10mg/kg clopidogrel, on day 2-4 they were feeded 1mg/kg ASA, respectively 2mg/kg clopidogrel orally with canned food. Blood was taken out of the vena jugularis before, 6h, 12h and 24h after the initial loading dose followed by daily blood withdrawal up to day 4 and afterwards every second day to day 14. Before first drug intake, 4 days and 14 days after, a blood chemistry (Pentra 400; Axonlab, Reichenbach/Stuttgart) was carried out. There was also a hematologic examination (ADVIA 2120; Siemens Healthcare Diagnostics, Eschborn) including platelet indices and reticulocyte counting. The platelet function was analyzed by means of whole blood impedance aggregometry (Multiplate; Roche Diagnostik GmbH, Eschborn) with different agonists - arachidonic acid 0,5mM (ASPI), adonosindiphosphate 6,5μl (ADP), collagen 3,2μl (Col) or prostaglandine 9,4nM (PG) + ADP 6,5μl in addition. A kaolin-activated thrombelastography (TEG) took place before, 6h and 24h after the loading dose and on day 14 at the end of the particular measuring period. Statistical analysis was performed with a test for normal distribution with Q-Q plot and afterwards a two-way repeated measures analysis of variance by chair of mathematics at Justus Liebig University, Giessen under the direction of Dr. Klaus Failing. The result graphics were established with the computer program Graph Pad Prism 6. The TEG-measurements were log transformed and evaluated by a test of significance with fixed data. The level of significance was P<0,05. The results in this study were significant. The measured values are declared as area under the curve (AUC), other parameters like rotation speed or aggregation showed similar findings. No dog showed any clinical signs of drug intolerance. The initial dose of 10mg/kg ASA leads to an adequate platelet inhibition (PAUC<0,0001) in 5/10 (50%) probands (<48% AUC-reduction of initial value). Otherwise the following maintenance dose of 1mg/kg could hinder platelet activity in only one dog for the whole treatment duration (4 days). The remaining four dogs showed a sufficient inhibition of platelet aggregation for 24 hours after initial medical intake. At the next measurement one day after the values were normal again. Clopidogrel achieved an adequate platelet inactivation (P<0,0001) during the whole period of treatment. One dog showed re-increasing platelet function already 3 days after initial treatment, while it occurred on day 6 in six subjects. Three dogs made an impact for 8 days. The agonist collagen had no significant changes in AUC in comparison to initial values before medical treatment (PAUC=0,8242) neither with ASA nor with Clopidogrel. ASPI on the other hand reduced AUC significantly (P<0,0001) in both platelet aggregation inhibitors and therefor suits for checking efficacy of the applied drugs. The arachidonic acid was the only used agonist which could detect inhibition of platelet function with ASA as well as with clopidogrel. However dogs in threshold range should be reviewed by ADP. In present study, ADP showed a decrease of AUC only in using the inhibitor of Glycoprotein 2b3a-receptor complex, while with ASA there was no considerably difference. If you use clopidogrel alone, ADP is the best agonist for controlling therapy development. The addition of prostaglandin E1 is possible here for sensing patients, which still respond on therapy but perhaps need dose adjustments for ensuring the drug effect. Neither the mean platelet component, nor the platelet count differed during study progress. This suspends a strong activation or a loss of platelets because of the used medication. The initial TEG measurement with the agonists ASPI and ADP were aborted, because the values did not differ even under increasing dosage. In accordance with other literature (Sharpe et al., 2010) ASA-therapy in dogs showed Non- Responder for which reason therapy monitoring is recommended, for example by using whole blood impedance aggregometry. Further studies have to clarify, if a higher dose of ASA can reduce the number of these. The maintenance dose of 1mg/kg in this study appears too small due to the results. The Loading Dose (10mg/kg) of clopidogrel with a maintenance dose of 2mg/kg leads to a sufficient inhibition of platelet function in all subjects of the present study. However a therapy monitoring is useful, because Low-Responder were detected in using the agonist ASPI. These should be checked closely controlled frequently. Further studies in sick dogs with increased risk of thrombosis should follow for recheck the results of this study and obtain new knowledge.
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