TY - THES T1 - Eine Untersuchung von zwei Tiermodellen auf ihre Eignung für Studien der Spermatogenese (Weißbüschelaffe, Callithrix jacchus) und der frühen Embryonalentwicklung (Rind, Bos taurus) des Menschen T3 - Giessen : VVB Laufersweiler A1 - Hecht,Nadine Y1 - 2011/01/04 N2 - Der Histon-Protamin-Austausch ist nicht nur für die männliche Fertilität und die Befruchtungsfähigkeit der Spermatozoen von entscheidender Bedeutung, sondern er scheint auch einen Einfluss auf die Qualität und die Entwicklung von Embryonen zu haben. Der Histon-Protamin-Austausch wird durch eine Histonacetylierung eingeleitet und erfolgt beim Menschen nur zu etwa 85%. Man nimmt an, dass die acetylierten Resthistone in Spermatozoen als epigenetische Signale eine wichtige Rolle für die frühe Embryonalentwicklung spielen. Zahlreiche Untersuchungen zum Histon-Protamin-Austausch während der Spermatogenese beim Mensch existieren bereits und liefern wertvolle Informationen in Bezug auf die Befruchtungsfähigkeit von Spermatozoen. Da menschliche Embryonen aus ethischen Gründen nicht für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehen, sind weiterführende Untersuchungen, die die frühe Embryonalentwicklung betreffen, am Mensch nicht möglich. Aus diesem Grund lag der Fokus dieser Arbeit auf der Etablierung eines Tiermodells für die Spermatogenese und die frühe Embryonalentwicklung des Menschen. Im ersten Teil dieser Studie sollte geklärt werden, ob sich der Weißbüschelaffe (Callithrix jacchus) als Tiermodell für die Spermatogenese des Menschen eignet. Hierzu führten wir in-situ Hybridisierungen gegen Protamine und immunhistochemische Untersuchungen gegen spezifisch an Lysin5 (H4K5ac) Lysin 8 (H4K8ac), Lysin 12 (H412ac) und Lysin 16 (H4K16ac) acetyliertem Histon H4 an Biopsiematerial des Hodens von Mensch und Callithrix jacchus durch und analysierten anschließend das Expressionsmuster. Da die Protamin-1 Sequenz bei Callithrix jacchus noch nicht bekannt war, stellten wir zuerst eine Sonde her. Protamine-1 (PRM-1) und Protamin-2 (PRM-2) waren in runden und elongierenden Spermatiden detektierbar. Alle Antikörper gegen acetyliertes Histon H4 zeigten in runden und elongierenden Spermatiden positive Signale. H4K8ac und H4K16ac zeigten zusätzlich in Spermatogonien des Menschen positive Signale, während beim Marmoset H4K8ac und H4K12ac in diesen Zellen detektierbar waren. Der Antikörper gegen H4K16ac zeigte beim Menschen bereits in den pachytänen Spermatozyten beginnend in Stadium III der Spermatogenese eine positive immunhistochemische Reaktion. Zusätzlich zu Hodenbiopsien führten wir immunhistochemische Untersuchungen an Ausstrichen von ejakulierten Spermatozoen von Mensch und Callithrix jacchus durch. Alle Antikörper zeigten eine positive Reaktion, jedoch variierte der prozentuale Anteil an positiven Spermatozoen deutlich zwischen den vier eingesetzten Antikörpern. Western Blot Analysen von homogenisiertem Ejakulat des Menschen und Callithrix jacchus mit den vier Antikörpern konnten in beiden Spezies spezifische Banden feststellen. Die Präsenz von spezifisch an Lysin 5, 8, 12 und 16 acetyliertem Histon H4 in Spermatozoen beider Spezies zeigt, dass der Histon-Protamin-Austausch nicht vollständig ist. Dies war beim Menschen bereits bekannt und konnte in dieser Untersuchung auch für den Weißbüschelaffen gezeigt werden. Aufgrund der Tatsache, dass der Mensch und der Weißbüschelaffe eine ähnliche Organisation des Keimepithels aufweisen, der Histon-Protamin-Austausch bei Beiden nicht vollständig ist, beide Spezies PRM-1 und PRM-2 exprimieren, und eine gleiche Expression von PRM-1 und PRM-2 mRNA in runden und elongierenden Spermatiden zeigen, eignet sich der Weißbüschelaffe als Tiermodell für den Histon-Protamin-Austausch im Menschen. Da acetylierte Histone in Spermatozoen im Verdacht stehen mit Genen assoziiert zu sein, die den Start der Transkription und die frühe Genexpression in der Zygote bedingen, also vom Spermatozoon auf die Eizelle bei der Befruchtung übertragen werden, eignet sich der Weißbüschelaffe unter Umständen auch als Tiermodell für die frühe Embryonalentwicklung des Menschen. In einem zweiten Teil dieser Studie wurde das Expressionsmuster von acht Genen in Spermatozoen, Oozyten, Zygoten, 2-Zell und 4-Zell Embryonen von Callithrix jacchus und Bos taurus mittels RT-PCR analysiert: Protamine-1 (PRM-1), Protamine-2 (PRM-2), Histon H1 (H1), Histon H3 (H3), Histon H4 (H4), cAMP-responsive element modulator (CREM), DNA Methyltransferase 1 (DNMT1) und TATA box-binding Protein (TBP). Unser Ziel war es spermienspezifische Transkripte zu identifizieren, die vom Spermium auf die Oozyte während der Fertilisierung übertragen werden. Es ist bekannt, dass diese Gene eine wichtige Rolle während der Spermiogenese und frühen Embryonalentwicklung spielen. In Callithrix jacchus und Bos taurus zeigten unsere Ergebnisse, dass PRM 1 Transkripte von Spermatozoen auf die Oozyte übertragen werden. Mit unseren Ergebnissen bekräftigen wir die Hypothesen anderer Studien, dass das Spermium mehr als nur Überbringer des männlichen Genoms ist, sondern auch spermienspezifische Transkripte während der Fertilisierung auf die Oozyte überträgt, die für die frühe Embryonalentwicklung essentiell sind. CY - Gießen PB - Universitätsbibliothek SN - 978-3-8359-5688-9 AD - Otto-Behaghel-Str. 8, 35394 Gießen UR - http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/7908 ER -